Norbert Schultz schreibt
| Christopher Zimmermann, Norbert Schultz und Cornelius Hammer
Institut für Ostseefischerei Rostock
Die EU wollte es wissen: Wie viel Dorsch wird von Anglern gefangen, und ist die Menge und Variabilität dieser Fänge so hoch, dass sie in der wissenschaftlichen Bestandsberechnung berücksichtigt werden muss?
Diese Frage der EU-Kommission ging vor drei Jahren nicht nur an Deutschland, sondern an alle Mitgliedsstaaten mit Dorsch-/Kabeljaufängen in europäischen Gewässern. Die EU finanzierte hierfür Pilotstudien im Rahmen des „Fischereidaten-Erhebungsprogrammes" mit und erließ gleich eine rechtsverbindliche Vorschrift, die die betreffenden EU-Länder dazu verpflichtete, diese Daten zu erheben. Am Institut für Ostseefischerei (IOR) der Bundesforschungsanstalt für Fischerei in Rostock waren zwei Mitarbeiter mit der Entwicklung eines Beprobungsplanes und der Datenerhebung beschäftigt, jeweils zur Hälfte aus EU- und Bundesmitteln finanziert. Die Beprobungsstrategie war nicht vorgegeben, und da die Freizeitfischerei ein sehr facettenreiches und über das Jahr ein sehr variables Metier ist, mussten entsprechende statistisch belastbare Untersuchungsmethoden entwickelt werden. Das war nicht einfach, denn die Fänge der Freizeitfischerei sind nicht reguliert und Angler müssen ihre Fänge nicht protokollieren. Jede Angabe über Aufwand, Fangmenge und Zusammensetzung der Fänge ist daher nur auf freiwilliger Basis zu erhalten.
Die Studie wurde Anfang diesen Jahres abgeschlossen und der Kommission im Juni ein umfangreicher Bericht vorgelegt. Dieser Bericht konnte vom IOR weder öffentlich noch mit den Angelverbänden diskutiert werden, bevor die Kommission für die von ihr finanzierte Studie die hierfür notwendige Freigabe erteilte. Diese Freigabe erfolgte erst im September, unmittelbar, bevor die Presse aufmerksam wurde. Trotz der Abstimmung der Texte mit den wesentlichen Medien wurde die Meldung von einigen Lokalredaktionen leider grob entstellt, was zur Kontroverse über die Ergebnisse der Studie beigetragen hat. Der vollständige Text des Studienberichtes war vom ersten Tag an im Internet verfügbar, jedermann konnte sich über die tatsächlichen Aussagen also aus erster Hand informieren. |