Ein kurzer Schlag mit der Rute. Dann darf der Köder wieder zum Grund taumeln. Jetzt wird er ein Stück über den Grund geschleift. Dabei bleibt die Schnur immer schön auf Spannung…. Zack! Ein kurzes Zuppeln in der Rutenspitze verrät den gierigen Butt. Ich verfolge den Fresser ein Stückchen mit der Rutenspitze und setze den Anhieb. Wütend wehrt sich die halbstarke Flunder im tiefen Hafenwasser des dänischen Städtchen Fredericia. Und schon gleitet sie im sachten Schwung auf den harten Boden unter meinen Füßen.

Der Norden löffelt wieder

Aus dem Maul des Plattfisches ragt ein kurzes Vorfach. Dahinter glänzt messingfarben der Lockköder, mit dem schon vor Jahrzehnten die Nordlichter ihren Butt gelöffelt haben. Zusammen mit meinem Freund Bert Göttsche wollte ich diesen alten und bewährten Köder den Buttlöffel wieder aufleben lassen.

Löffellose Zeiten

Lange Zeit gehörte dieses eigenartige Stück Blech in den Angelgeschäften an der Küste zum festen Bestand in den Regalen. „ Es war nie ein Renner, aber einige Angler haben darauf geschworen“ erzählte mir ein Gerätehändler von der Waterkant. Und wohl weil er kein „Renner“ war, verschwand er eines Tages klammheimlich aus den Regalen. Die DAM hatte ihn aus ihrem Programm genommen. Dieser Tag war ein Feiertag für alle Fische der Ostsee, der bis dato vieler ihrer Genossen in die Pfanne befördert hat.

Diesen guten, alten Zeiten wollten Bert und ich nicht länger mehr nachtrauern. Also nahmen wir einen alten, unansehnlichen Buttlöffel aus der Gerätekiste und bauten diesen Löffel einfach nach. Wenn man ihn nun am Gewässergrund bewegt, wirbelt er kleine Wölkchen aus dem Schlamm auf. Zusammen mit dem Glanz, den Druckwellen und dem Duft des nachlaufenden Köders ist der Buttlöffel ein unwiderstehliche Lock-Keule für die Plattfische und anderen Bewohner der Ostsee.

Selbst eine Meerforelle konnte diesem Köder in der Flensburger Förde nicht widerstehen. Sehr gut klappt das Löffeln in den ganzen Häfen. Da wird einfach von Molen oder Hafenmauern aus geworfen und gefühlvoll am Grund hin und her gezupft. Super funktioniert es auch von kleinen Booten aus. Wenn das Wetter mitspielt und wenig Strömung oder Drift herrscht, wird die Montage einfach hinterher geschleppt

Kinderleichte Montage

Die Montage des lockenden Löffels ist kinderleicht. An der Hauptschnur wird ein Wirbel befestigt, in den wir den oberen Sprengring des Buttlöffels einhängen. Vorsicht: Nach oben kommt immer die kleinere Rundung!! Am unteren Sprengring wird dann ein Wirbel-Tönnchen eingehängt. Das ist zum anknoten des Vorfaches besser geeignet als der nackte Sprengring. Im dümmsten Fall kann der Knoten hier nämlich mal durchrutschen. Außerdem vermindern Sie so den Drall im Vorfach, wenn der aufgezogene Wurm beim reinholen rotiert.

Das Vorfach sollte etwa 20 bis 25 cm lang sein. Am besten eine 25er monofile Schnur. Als Haken eignen sich langschenklige Butthaken der Größe 1/0 bis 2/0. Da können Sie bequem einen Watt oder Seeringelwurm mit der Hand rüberziehen. Mit Ködernadeln klappt es nicht besonders gut bei festgeknotetem Löffelvorfach.

Bert und ich haben oft auch an Tagen gefangen, wenn andere Angler mit ihrem Pilken erfolglos waren. An Spitzentagen hatten wir zwischen 70 und 130 Dorsch und Butt. Ein klarer und weiterer Vorteil ist, das man nur eine Spinnrute von ca. 3 Meter Länge braucht. Ein Wurfgewicht von maximal 40 gr. langen hier vollauf. Vorbei ist also die schwere Schlepperei vom Angelgepäck. Des Weiteren ist es absolut, ich sage mal „geil“ einen Dorsch oder Butt mit der Spinnrute zu erlegen. Stellen Sie sich mal ein 8 pfd. Dorsch in 20 Meter tiefen Wasser vor, der nicht so wie sie an die Wasseroberfläche will. Hier ist Geschick und Leistung gefragt. Aber diesen Drill werden Sie nicht so schnell vergessen.

Freunde und Kunden konnte ich schon mit dieser Angelei überzeugen. Vielleicht gehören sie auch schon bald dazu. Euer Nordangler, Sven Matthiesen