Wir waren nach dem ersten Ausflug wieder auf der Prince Hamlet und ich dachte über den ersten Ausflug noch einmal nach. War es nur Zufall, daß ich den Löwen auf Pilker gefangen habe? Und dazu noch auf einen blauen? Eigentlich sind ja ganz andere Farben fängig. Naja, jedenfalls hatten wir uns viel für den anderen Tag vorgenommen und so sind wir dann auch zeitig ins Bett. Der Hartmut noch ne Stunde vor mir, denn nicht nur Müdigkeit sondern auch Frust nagte an ihm. Morgens um halb 6 waren wir dann wieder hoch und kurz gefrühstückt und ab zur MS Hai IV. Als wir dort ankamen staunte ich nicht schlecht. Die MS Tanja und die MS Einigkeit waren ziemlich gut gefüllt. Auf der MS Hai IV waren dagegen nur ein paar Angler.

Kutterangeln mit der MS Hai IV

Da ich schon einen Bericht vom letzten Jahr hier gelesen hatte, wo die Angler kurzerhand auf die anderen Boote verteilt wurden, hatte ich doch ein wenig Schiss noch auf ein anderes Boot zu müssen. Zumal wir wieder die Plätze im Bug hatten. Also hoch zum Skipper und nachgefragt. Nö, meen Jung, ich hab 10 Lüüd zusammen, dat geit los. Mir fiel ein Stein vom Herzen. Und an Bord kam auch der, sein Name ist Bernd aus Hanover, der mir einen Tag vorher aufgefallen war. Er hatte mit Abstand die grössten und meisten Fische gefangen. Wir legten ab und ich machte meine Rute wie am Vortag klar. Pilker, zwei Beifänger, Jiggs orange und schwarz. Dann band ich alles fest und drehte meine Runde. Bei Bernd blieb ich dann stehen und fragte ihn ein wenig aus. Und was ich da sah war schon ein wenig seltsam für mich. Geflochtene Schnur (hatte ich auch), Knotenlosverbinder mit Wirbel (hatte ich auch) kurzer 30 cm monofiles Vorfach daran folgend Tönnchen, Sprengring, im Ring zwei Wirbel, eins mit kleinem Drilling und Octupuss drauf, daneben im anderem Wirbel Pilker (hatte ich nicht). Ich fragte ihn, wie der denn auf solch abgefahrene Montage kam. Er erklärte mir, daß er vor Jahren mit Jiggs angefangen hätte und irgendwann stand einer neben ihn, der hat mit dieser Montage ein nachdem anderen gefangen. Hauptsächlich auf den kleinen Octupus. Ich kam aus dem Staunen nicht mehr raus. Ziemlich simpel und dann doch mega fängig? Wir unterhielten uns noch ein wenig und ich ging wieder nach vorne in den Bug. Dort hatte Hartmut auch alles fertig montiert. Er angelte genau so wie ich oder auch umgekehrt.

Bernd’s Worte hingen mir immer noch in den Ohren, als Hartmut anfing mir zu erklären warum es gestern nicht ganz so dolle bei ihm gelaufen sei. Ich sagte nichts und er endete mit den Worten: “Heut ist für Dich nicht viel drin”. Tja, wird sich dann wohl zeigen. Ich wieder hin zum Bernd und ihn kurz gefragt ob er für mich so ein Tönnchen hätte, den Rest hätte ich selbst. Er war so nett und hat mir eine komplette Montage geschenkt. Ich noch mal kurz runter in den Aufenthaltsraum und nach den Octupus gefragt. Rot oder grün war die Antwort. Ich nahm beide und auch die bekam ich umsonst. Alte Montage wieder abgebaut, neue Montage rauf. Hartmut kam rüber schaute und lächelte wissend, damit geht in der Ostsee nicht viel. Wir wollten eigentlich zum Teufelsschiff rausfahren (ich hoffe ich habe den Namen richtig in Erinnerung) auf dem Weg dorthin drehte der Skipper aber scharf nach links weg. Schleppfischer waren dort unterwegs. Meine Laune ging rapide den Bach runter. Tonne 5 war das neue Ziel. Die legendäre Tonne 5. Und nach kurzer Fahrt lagen wir 100 m neben ihr. Meine Laune wurde schlagartig besser. Und dann kam das Signal. Raus mit dem Geschirr. Mann oh Mann nur mit nem 85er Pilker mit kleinem Tintenfisch, damit konnte ich ja richtig weit werfen. Grundkontakt, wieder hoch gerissen, Grundkontakt und wieder rauf damit. Und dann kam’s: Hartmut neben mir rief “Strike”. Oh, ne oh ne dachte ich.

Sollte es wirklich an der Montage liegen. Mir schossen tausende Gedanken durch den Kopf. Ein Hälfte in mir wollte die Montage sofort ändern, die andere sagte mir bleib cool. Probier es weiter. Ich entschloss mich mindestens 5 Driften so zu angeln. Als ich den Entschluss gefasst hatte, riss ich den Pilker wieder nach oben. Beim Abtaumeln merkte ich einen Ruck. Ich zählte 23, 24 und schlug an. Es hatte sich ein 75er bei mir “verirrt”. Harmut seiner war 60. Lucky Punch meinte er nur. Ich fasste jedoch mehr und mehr Vertrauen in die Montage. Bis zum Mittag hatte ich vier Superdorsche alle zwischen 72 und 88. Hartmut fing noch einen 50er auf Beifänger. Ich war beruhigt. 4:2. Das muss man erstmal aufholen. Nach dem Mittag lief es wieder nicht wirklich gut. Einige Untermassige, ansonsten nicht viel. Ich fing so gegen 13:00 meinen 5ten über 70 cm, Hartmut fing seinen dritten unter 70. Aber als Norddeutscher ist er nun mal ein wenig stur und wollte partou nicht umbauen. Und nu kam das wofür sich die ganze Tour alleine schon gelohnt hätte:

Wir riefen bei jedem Anbiss “Strike” und alle Angler schauten zu uns und murmelten irgendwas. Hartmut hatte sich ein wenig versteckt (Er stand rechts neben dem Steuerstand und haute sich ein mitgebrachtes Brötchen weg, der Skipper muss ja nicht alles sehen. Ich angelte weiter und es stieg ein Dorsch ein. Meine Angel bog sich zum Halbkreis. Musste ein guter sein. Der Skipper schaute und kam mit dem Gaff. Ich schaute zu Harmut und der war sowas von vertieft mit dem Brötchen, daß er nichts mitbekam. Der Skipper stand neben mir und ich fragte ihn, ob er mal einen Angler zu seiner Rute laufen sehen möchte, der dabei viel Flucht und hektisch auswirft. Ich deutete auf Hartmut und der Skipper lächelte schon. Hartmut hatte über die Hälfte des Brötchens bereits gegessen. Ich sagte nur, und nu pass auf Skipper. Ich schrie so laut ich konnte: “Strike”. Harmuts Kopf flog nach oben, er schaute auf meine Angel, schmiss den Rest vom Brötchen weg und rannte zu seiner Angel. Riss sie aus der Halterung und raus damit. Der Skipper und ich lachten Tränen. Er gaffte mir den 88er Dorsch und wir lachten immer noch. Köstlich. Harmut fing keinen mehr und so stand es 6:3. Nach dem 4:1 vom Vortag eine echte Klatsche für ihn. Er wollte auf der Rückfahrt wieder mit seinem Früher und 25 Dorsche pro Ausfahrt anfangen, bis ich ihm sagte, wenn er früher 25 Dorsche gefangen hat, wäre ich wohl mit über 60 nach Hause gegangen. Danach war Ruhe.

Wir filetierten dann noch die Fische. Und verbrachten eine schöne Heimatfahrt. Der Skipper hat uns noch einen Aufkleber geschenkt, mit einem Lachen und gesagt er hat lange nicht mehr so viel Spass gehabt. Der Bernd hatte auch 6 Stück und die anderen zwischen Schneider und drei. Nur Bernd und ich hatten lediglich mit Pilker und Octupus geangelt. Drei meiner Dorsche sind auf den kleinen Gummitintenfisch reingefallen. Alles nur Zufall? Kann ich nicht wirklich beurteilen, denn dazu reicht mein Erfahrungsschatz nicht aus. Auf alle Fälle habe ich einen neuen Stammkutter und ich werde diese Montage weiterangeln. Die Jiggs kommen auch mit an Bord, aber die ersten Stunden werde ich weiterhin so probieren. Die Rückfahrt nach Kiel haben wir unsere Erfahrungen ausgetauscht und Hartmut will auch nächstes mal nur mit Pilker probieren. Und geflochtene Schnur will er sich doch auch tatsächlich zulegen. Ich freue mich schon auf die nächste Ausfahrt. Mit oder ohne Hartmut. Ich werde euch berichten.